Κυριακή 8 Νοεμβρίου 2015

Frontex : Bundesregierung erfuhr früh von hohen Flüchtlingszahlen

Frontex : Bundesregierung erfuhr früh von hohen Flüchtlingszahlen

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat bereits im März mit deutlich steigenden Flüchtlingszahlen gerechnet. Bundesregierung und Kanzleramt waren offenbar informiert.
Flüchtlinge auf dem Weg zu einer Registrierungsstelle in Bayern
Flüchtlinge auf dem Weg zu einer Registrierungsstelle in Bayern © Christof Stache/AFP/Getty Images
Die Bundesregierung war nach einem Bericht der Welt am Sonntag schon frühzeitig über einen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen informiert. Demnach rechnete der Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, schon im März mit einer neuen Rekordzahl von Flüchtlingen in Europa. "Unsere Quellen berichten uns, dass zwischen 500.000 und einer Million Migranten bereit sind, Libyen zu verlassen", sagte Leggeri demnach im Frühjahr.
Im Juni erklärte der Frontex-Chef außerdem in einer internen Sitzung des Bundestages, "dass die irregulären Grenzübertritte von der Türkei nach Griechenland im Vergleich zum Vorjahr um 550 Prozent gestiegen sind". Die Zahl wurde auch dem Bundesinnenministerium und dem Kanzleramt übermittelt.

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Auch die deutsche Vertretung im Kosovo habe bereits im Februar in einer Depesche ans Auswärtige Amt davor gewarnt, dass "täglich 800 bis 1.000 (plus Dunkelziffer) Kosovaren" über Serbien und Ungarn nach Deutschland unterwegs seien. Bis Ende des Jahres könnten es "300.000 Personen, das heißt ein Sechstel der Gesamtbevölkerung" sein, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben.
Aus den Bundesländern habe es zudem schon seit dem Vorjahr regelmäßig die Forderung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gegeben, die Flüchtlingsprognosen zu erhöhen. Hessens Sozialministerium wies die Nürnberger Behörde Mitte 2014 darauf hin, dass die Länder deutlich mehr Asylsuchende zählen als das Bamf. Im Februar 2015 rechnete das Innenministerium von Schleswig-Holstein in einem internen Schreiben an die Behörde vor, dass man von rund 590.000 Asylsuchenden im Bund in diesem Jahr ausgehe.
Interne E-Mails von Innenministerium und Bamf, die der Welt am Sonntag vorliegen, zeigen zudem, dass die Bundesregierung den Ländern eine erhöhte Flüchtlingsprognose zunächst vorenthalten hat. Demnach hatte die Regierung bereits am 5. August ein Schreiben der Nürnberger Behörde vorliegen, in dem sie von etwa 600.000 registrierten Personen für das Jahr 2015 ausging. Man habe allerdings noch zwei Wochen gewartet, bis Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 19. August die Schätzung offiziell auf 800.000 erhöhte.
Die 16 Innenminister der Länder hatten Anfang August wegen stark steigender Flüchtlingszahlen vom Bund eine schnelle Erhöhung der Prognose gefordert, um entsprechende Kapazitäten zur Unterbringung vorbereiten zu können. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte hierzu, zunächst hätte geklärt werden müssen, ob das Ministerium einer Umstellung bei der Prognosebasis durch das Bamf folgen sollte. Dafür sei eine "sorgfältige Prüfung und Abstimmung" notwendig gewesen.